heute beginnt die fussball wm der männer in mexiko, kananda und usa. die vorfreude oder gar das fussballfieber haben mich noch nicht gepackt. im gegenteil! ich sehe dieser wm mit sorge entgegen. das abschneiden der schweizer mannschaft hat dabei keinen einfluss auf meine bedenken. viel mehr ist es die angst, dass der fussball politisch instrumentalisiert oder/und gar missbraucht wird.
persönlich bin ich bei jedem sport-grossereignis mit dem begriff „heimat“ konfrontiert. was macht es aus, dass ich sagen kann: „DAS ist meine heimat, mein heimatland“. hat es etwas mit mir zu tun, wenn granit xhaka ein tor „für die schweiz“ an der wm schiesst?
ich lese im moment die riesinen von hannah häffner. in diesem zauberhaften buch geht es auch viel um den begriff „heimat“. darin heisst es: „heimat ist ein wort, dass ihr nicht über die lippen kommt, aber in den knochen steckt es schon.“ schön und wahr. an einer anderen stelle liest sich der satz: „was ist heimat, wenn nicht eine zuflucht vor einer angst, die du ohne sie nicht hättest?“. kluge und berechtigte frage.
Ich glaube, es gibt ein Zitat von peter bichsel, welches den Heimatbegriff aller Schweizer:innen zusammenfasst:
„Ich habe meine Heimat dort, wo ich meinen Ärger habe.“
peter bichsel (einer der ganz grossen CH-Schriftsteller, 1935-2025 R.I.P.)
ob schollentreue heimatchörli-fraktion oder alternativ-links, auf eines können sich alle einen: wir sind stolz auf unser land (wenn auch aus unterschiedlichen gründen), aber ärgern tun wir uns oft über sie – die heimat.

mein hochgepumptes highlight:
gelesen: das oben erwähnte buch heisst „die riesinen“ und geschrieben hat es hannah häffner. das buch ist ein portrait dreier generationen. gross und dünn überragen sie alle: liese riessberger, die still und unerbittlich die metzgerei führt. cora, ihre tochter, die wütende, die ausbrechen und lernen wird, dass heimkehr keine niederlage ist. und eva, coras tochter, die den wald so sehr liebt und sich dessen erst bewusst werden muss. heimat und ausgangspunkt ist ein fiktiver, kleiner ort im schwarzwald. jede der drei frauen ist mit ihm verbunden und doch muss jede für sich heimat alleine definieren. ein wunderbarer roman über starke frauen, heimat und das zeitgeschehen von den 50er Jahre bis in die gegenwart. leicht zu lesen, aber an keiner stelle seicht.
